Padre Dietmar Kraemer Himno Nacional de Bolivia
 


Herzlich willkommen bei der
kath. Pfarrei Llica "Nuestra Señora de la Asunción" Mariä Himmelfahrt
kath. Pfarrei Tahua "San Juan Bautista"
Johannes der Täufer
Llica/Tahua - Prov. Daniel Campos - Potosí - Bolivia

Dietmar Krämer, Padre in Llica Bolivien Nachrichten von Padre Dietmar Krämer
in Llica Bolivien


E-Mail Adressen:
DIETKRAEMER@YAHOO.DE

http://www.padre-dietmar-kraemer.de/
http://www.llica-bolivien.de/

Llica im Frühjahr 2004

Liebe Missionsfreunde!

Im Vergleich zur Ausreise, die damals Mitte Oktober 2003 unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen vonstatten gegangen war zusammen mit weiteren 30 Deutschen war ich auf Vermittlung der Deutschen Botschaft in einem alten bolivianischen Militärflugzeug von La Paz ins ruhigere Santa Cruz evakuiert worden- war der Rückflug nach Bolivien, Mitte Januar 2004, routinemäßig verlaufen.

Die politisch soziale Lage in der Andenrepublik ist nach den Oktoberunruhen, die ja zum Sturz des Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada geführt haben, von einer großen Unsicherheit geprägt. Keiner weiß so recht, wie es weitergehen wird. Der neue Präsident, Carlos Mesa, er war Vizepräsident unter dem gestürzten "Goni", so der Kosename des aus dem Lande Gejagten aus besseren Zeiten, versucht zwar mit viel Geschick zum Dialog und Kompromiss das Land zu befrieden, hat aber keine Hausmacht in Form von Parteien hinter sich. So ist es sehr zweifelhaft, dass er lange im Amt bleiben wird. Und was oder wer nach ihm kommen könnte, daran wagt keiner zu denken, denn es gibt keine seriösen Alternativen mehr. Viele Bolivianer haben zudem den Glauben in eine Parteiendemokratie verloren, da alle unter Korruption leiden und keine die Probleme des Landes in den Griff bekommt. Das räumt radikalen Gruppen Chancen ein.

Rasch habe ich mich in Llica wieder eingelebt, wobei mir neben der Freude vieler über meine Rückkehr auch die anstehenden Problemchen halfen. Bei meiner Ankunft fand ich im Ort bald alle Strassen aufgegraben vor, es werden derzeit Abwasserleitungen gelegt. Bis Juli soll das Projekt abgeschlossen sein; ein erfreulicher Schritt nach vorwärts. Den Vogel abgeschossen hatte in meiner Abwesenheit der gute Religionslehrer. Er hatte sich Ende November ein "chuto", also einen Gebrauchtwagen aus Chile gekauft, der als Schmuggelware ins Land gekommen war. Durch Llica fahren derzeit haufenweise solcher Autos, die unter bestimmten Bedingungen nationalisiert werden können. Nur, was praktisch niemandem passiert, gelang ihm. Er fuhr mit seinem Gefährt direkt in die Arme der COA, also einer Spezialeinheit des bolivianischen Zolls. Das Auto wurde ihm natürlich abgenommen. Ein Beamter der COA übernahm es und überschlug sich damit kurz hinter Llica. Raúl bekam als Schadensersatz vom Zoll, man staune, ein anderes "chuto", welches ihm dann aber ein Staatsanwalt in Oruro wegnahm. Und der Höhepunkt der Komödie war eine Anzeige wegen Entführung eines Staatsdieners. Inzwischen ist es ums Ganze nach Landes Sitte wieder ruhiger geworden, auch wenn für ihn die Sache noch nicht ausgestanden ist. Gibt es doch einen hiesigen Spruch, der besagt: Vor drei Dingen behüte mich der Liebe Gott, vorm peruanischen Freund, vor einer chilenischen Frau und, vor allem, vor der bolivianischen Justiz. Als Lehrer bekam er eigentlich keine Probleme, was wohl daran lag, dass sein Direktor sowie der Vorsitzende des Elternbeirates mit diesen Gebrauchtwagen Handel treiben. Und der Generalvikar im bischöflichen Amt in Potosí, ein Spanier, meinte, das seien doch bolivianische Dinge, die nicht so ernst zu nehmen seien.

An unserer Ausbildungsstätte für Grundschullehrer, Franz Tamayo, sieht es derzeit auch nicht sehr rosig aus. Obwohl das Semester schon einige Wochen alt ist, hat sich erst kürzlich geklärt, dass die Universität in Potosí nochmals für ein Jahr Trägerin der Lehrerschule bleibt und die Verantwortung nicht ans Erziehungsministerium zurückgeht, was bedeutet, dass es für solch eine Übernahme kein Geld hat. Hinter dem ganzen Gefeilsche steht die Angst vieler, dass das Erziehungswesen privatisiert werden könnte. Besonders stark wehren sich die Gewerkschaften dagegen.
Ein weiteres Kuriosum ist, dass die 700 Bewerber für die 105 freien Studienplätze eventuell nochmals zum Examen nach Llica anreisen müssen, da Examenstexte im Voraus verkauft worden seien.
Einer der Bewerber für einen Studienplatz als Grundschullehrer ist der ehemalige Subpräfekt der Provinz. Bis zum Sturz der Regierung im Oktober 2003 war er der erste Mann vor Ort, jetzt steht er arbeitslos auf der Straße. Der daraufhin neu ernannte Subpräfekt wird von der "2do. sección", also der "Unterprovinz Tahua" nicht anerkannt. Man wirft ihm vor, er würde in Chile wegen Drogenhandels gesucht. Ihr seht, liebe Freunde, bei uns gehen die Uhren schon anders. Ich versuche bei solchen Konflikten natürlich zu vermitteln, ergreife aber keine Partei. Zu gut kenne ich die Interessen der verschiedenen Gruppen.

Viel Freude bereitet mir weiterhin die Arbeit mit den diversen Jugendgruppen in der Pfarrei. Sie lassen sich im guten, christlichen Sinne formen und sind zudem noch nicht verstrickt in korrupte Strukturen. Die Mehrzahl der in der Pfarrei engagierten Jugendlichen sind aus einfachsten Verhältnissen. Bei ihnen habe ich gelernt, dass Personalität nicht nur vom sozialen Stand abhängt. Es gibt einfache Campesinos, die mehr Charakter haben als manch einer aus der gehobenen, gebildeten Klasse.

Obwohl wir noch im Sommer stehen, wird es in den Nächten schon recht kalt. Bislang hat es eigentlich wenig geregnet, so dass der Salar schon wieder trocken und zur Autobahn geworden ist. Noch nie habe ich so trockene und kalte Karnevalstage erlebt.

In Deutschland hatte ich schöne, aber auch arbeitsame Wochen verbracht. So ein Heimaturlaub ist eben immer auch ein Arbeitsurlaub. Ich habe mich gefreut, viele von euch wieder mal getroffen zu haben. Um alle zu besuchen, war die Zeit aber trotz der 3 Monate zu knapp. Allen, die meiner Arbeit hier in Bolivien mit einem Missionsscherflein geholfen haben, möchte ich an dieser Stelle nochmals ein ganz HERZLICHES VERGELT'S GOTT sagen.
In Deutschland kam ich, man höre und staune, auch in Kontakt mit dem Kicker Sportmagazin. Sie suchten für die Jubiläumsausgabe "100 FIFA" einen Artikel über Fußball unter schwierigen Bedingungen. Ich habe zugesagt und demnächst wird unter der Schlagzeile: "Der Minengeist ist Mitglied bei Bayern" auch in diesem Blatte einiges über Llica zu lesen sein. Ich bin gespannt, wie das ankommt.
Bernhard Adelmann aus Offenburg hat mir zudem eine Web-Seite unter: www.padre-dietmar-kraemer.de
und www.llica-bolivien.de eingerichtet, die Llica "weltbekannt" machen soll . Und wenn wir schon bei Kommunikationstechniken sind, noch eine Bemerkung zu meiner Emailadresse: CP4PG@WINLINK.ORG die ich über Amateurfunk in Llica auslesen kann. Einen Internet-Zugang per Telefon gibt es bei uns ja noch nicht. Um SPAM zu vermeiden, verlangt das WINLINK.ORG-System eine ganz einfache Registrierung unter: www.winlink.org/accept Ohne diese wird keine Mail an meine Funkadresse weitergeleitet.

Das soll es wieder mal gewesen sein. Ich wünsche Euch allen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Ostern und dann ein FROHES OSTERFEST!

Mit herzlichen Grüßen und in Dankbarkeit


 Euer Padre Dietmar

zu meinen neuen Seiten

Direcciones:

P. Dietmar Krämer, Casilla 194, Tupiza, Bolivien


Weltkirche: www.padre-dietmar-kraemer.de/ und www.llica-bolivien.de/

Llica/Tahua gehören zur Diözese Potosí Bolivien

  zurück zu den Nachrichten von Padre Dietmar Kraemer